Von all den Piano-, Kammermusik-, Electronica-Grenzgängern, die sich in den letzten Jahren aus dem Underground ins allgemeine Bewusstsein der elektronischen Musikwelt gearbeitet sind, ist Sven Kacirek ein besonders sorgfältiger Goldschmied. Mit ungeheurer Präzision setzt der Hamburger Multiinstrumentalist die Töne auf seinem dritten Album „Scarlet Pitch Dreams“, lässt kleine Melodiemotive vermeintlich fließen, den Bogen scheinbar achtlos über Cello oder Kontrabass laufen, und ist doch spürt man, dass hier jede Note und ihre Klangfarbe genau sitzen.
Scarlet Pitch Dreams« klingen elektronischer, an manchen Stellen härter, gleichzeitig aber doch vertrauter als auf dem vorigen Album. Das mag zum einen an den englischen Vocals von Jana Plewa liegen , die mit ihrer Stimme für einige Höhepunkte des Albums sorgt; zum anderen sind sowohl die Arrangements als auch die Instrumentierung der Stücke eingängiger geworden, ohne vom typischen Sven Kacirek-Sound abzuweichen. Was mir an Sven Kacireks Alben so gut gefällt, sind die exotischen Welten, die seine Klänge entstehen lassen. Diese Musik eignet sich wunderbar zum Träumen, für Fernweh und mit Sicherheit auch für den ein oder anderen Remix, auf den man sicherlich nicht lange warten müssen wird.
Kacirek erschafft akustisches Leben – daran scheitern die meisten zeitgenössischen Elektroproduzenten. Vielleicht sollten diese wieder auf analog umschalten.
Sven Kacirek weiß, was er tut. Kein halbgares trial & error Gemurkse, keine zerhackten Loops und Effekte. Für sein neues Album Scarlet Pitch Dreams hat der Hamburger den Pfad der ganz alten Schule betreten. Ergo: Musik vom Papier. Erst die Notation, dann wird eingespielt.Entsprechend komplex präsentieren sich die perkussiven Arrangements des ausgebildeten Jazz-Drummers, der für die elf Stücke seines neuen Albums fast alle Instrumente selbst eingespielt hat. Und es sind eine Menge Instrumente zu hören. Vom bloßen Shaker über eine Unzahl an verschiedenen Percussions bis hin zum großen Flügel ist alles dabei. Auch seine bereits auf früheren Alben deutlich gewordene Affinität zu Glockenspielen lebt Kacirek hier wieder in extenso aus, was zu einer zauberhaften Ästhetik zwischen animistisch anmutendem Beschwörungsritual und Ethno-Jazzkapelle führt. Besonders schön kommt das, wenn auch noch mit Rauschfrequenzen und Field Recordings montiert wird. Jazz für Fortgeschrittene, der sich trotz der experimentellen Form vor allem in Kombination mit den Gastvokalisten Jana Plewa, John Eckhardt und Johannes Huth extrem zugänglich erweist.
Hamburg multi-instrumentalist Sven Kacirek performs all music on Scarlet Pitch Dreams, his third album, weaving complex percussive compositions from tapped glass, wood, piano, drums and sundry resonant objects. There’s also bowed objects, aqueous plinks and, occasionally, bursts of white noise. Jana Plewa’s vocals and acoustic bass from Johannes Huth and John Eckhardt also feature. Not surprisingly, Scarlet Pitch Dreams frequently overflows with activity, at times thrilling and dizzyingly inventive, irritatingly dense and dreary at others.
“This is a record that sounds good. It is serious, experimental, creatively rigorous; it is the audible trace of a man in pursuit of an uncompromising artistic agenda, that makes no concession to the market. And yet, it is an unaffected expression of sheer pleasure in sound, easily as much an act of jouissance as it is a linguistically structured utterance. Kacirek’s love of timbre is powerfully evident in the sophistication with which it is deployed, in the lengths to which he is prepared to pursue its effects, and the intellectually contingent effects of listening to his music are accessible only through the bodily experience of the sound.”
Scarlet Pitch Dreams
JazzThing
The Gap
HHV
Melodie & Rhytmus
Groove
Cylic Defrost
Intro
Oliver Arditi